Case Study: Comeback-Strategien und Cross-Identity Promotion in der modernen Musik-PR
- Axel Brunnen

- 10. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Wie gelingt ein glaubwürdiges Comeback?
Diese Frage stellt sich regelmäßig für Künstler*innen, die nach kreativen Krisen, stilistischen Experimenten oder längeren Pausen zurückkehren wollen. Der Weg zurück ins Rampenlicht ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis strategischer Kommunikation, konsistenter Erzählung und kluger Positionierung. Dabei spielt eine Strategie eine immer größere Rolle: Cross-Identity Promotion.
Cross-Identity Promotion – was bedeutet das?
Cross-Identity Promotion beschreibt die gezielte Platzierung von Künstlerinnen in thematisch angrenzenden, aber genrefremden Kontexten. Ziel ist es, die künstlerische Identität nicht nur musikalisch, sondern auch kulturell erlebbar zu machen. Künstlerinnen werden dadurch nicht allein über ihre Songs wahrgenommen, sondern als Persönlichkeiten mit Haltung, Interessen und kulturellem Tiefgang.
Diese Strategie stärkt die Authentizität – und öffnet neue Türen. Wer etwa neben Musik auch über Film, Literatur oder Politik spricht, verankert sich breiter in der Popkultur und erreicht Menschen, die sonst vielleicht keinen Bezug zur Musik gehabt hätten. Cross-Identity Promotion ist damit nicht bloß Reichweitensteigerung, sondern Identitätsarbeit.
Ein Beispiel: Die Münchner Band Marathonmann nutzte für ihr Comeback-Album Poltergeist genau diese Strategie. Nach einer experimentellen Phase und internen Umbrüchen entschied sich die Band für eine Rückkehr zu ihrer emotionalen, gitarrengetriebenen DNA – begleitet von einer klaren Kommunikationslinie. Neben klassischer Medienarbeit in Punk- und Alternative-Magazinen setzten wir auf das Themenfeld Film, das im kreativen Selbstverständnis der Band ohnehin verankert war. So fanden Interviews und Gespräche in diversen Filmpodcasts wie z.B. "Cine: viel - dem Filmfressen-Podcast" statt – Orte, an denen Marathonmann nicht nur über Musik, sondern auch über filmische Einflüsse, Erzähltechniken und Soundästhetik sprechen konnten. Dass die Strategie der Cross-Identity Promotion aufging, spiegelt sich auch in den Reviews zur Platte. Die Band wurde neu wahrgenommen – nicht nur als Rückkehrer, sondern als kulturell reflektierter Akteur.
"Poltergeist“ ist wie ein guter Film, der einen aus der Realität entführt, aber dennoch seine Spuren hinterlässt. Marathonmann wissen, wie man Geschichten erzählt und Emotionen transportiert. „Poltergeist“ ist in diesem Fall kein übernatürliches Phänomen, sondern etwas Pures und Echtes. - Frontstage
Das Ergebnis: Poltergeist erzielte hervorragende Rezensionen in Blogs und Magazinen und markierte den Beginn einer neuen Phase, in der Marathonmann wieder als feste Größe in der Szene gelten. Reviews wie die von Frontstage oder Away from Life nehmen explizit Bezug auf das Filmthema und erkennen, dass es nun Teil der Band-DNA ist. Im Bereich des Streamings konnten wir an die bisherigen positiven Meilensteine der Band anknüpfen und mit neuen Erfolgen für weitere Relevanz auf den Plattformen sorgen. Im Verlauf der Kampagne hat die Zahl der monatlichen Hörer*innen um mehr als 40 % zugelegt, was mehr als 10.000 neuen monatlichen Hörer*innen entspricht und damit den Erfolg der Strategie für die Künstler*innen deutlich macht.
„Marathonmann lassen ihre Songs atmen, stoßen an, fordern heraus. Der rote Faden: Filmzitate, Fragmentstücke, Frequenzen. Poltergeist wirkt wie ein vertonter Filmriss – zwischen Traum und Trauma, Hoffnung und Selbstzerfall. Und doch liegt darin eine ungeheure Lebendigkeit, eine Klarheit, die erst im Lärm entsteht. - Underdog Fanzine

Hier könnt ihr ein paar weitere positive Stimmen aus den Reviews lesen
Vom Einzelfall zur Strategie
Cross-Identity Promotion ist keine Modeerscheinung, sondern eine nachhaltige Kommunikationspraxis. Sie verbindet zwei Ebenen:
Erzählerische Tiefe – Die Künstler*innen werden als komplexe Persönlichkeiten greifbar.
Reichweiten-Erweiterung – Durch thematische Schnittmengen entstehen neue Berührungspunkte zu Communities außerhalb des eigenen Genres.
Gerade bei Comeback-Kampagnen oder nach stilistischen Brüchen kann diese Strategie entscheidend sein. Sie hilft, den Narrativ „Rückkehr zu den Wurzeln“ mit neuer Relevanz zu füllen und macht sichtbar, dass künstlerische Entwicklung nicht Rückschritt, sondern Weiterdenken bedeutet.
Learnings aus erfolgreichen Comebacks
1. Rückkehr bedeutet Neuformulierung, nicht Wiederholung. Ein glaubwürdiges Comeback basiert auf Reflexion, nicht Nostalgie. Wer die eigene Geschichte versteht, kann sie weiterentwickeln, ohne Authentizität zu verlieren.
2. Narrative Klarheit schlägt Aktionismus. Kampagnen, die schrittweise auf einen neuen Höhepunkt hinarbeiten, schaffen Vertrauen. Jede Veröffentlichung, jedes Interview ist Teil einer übergeordneten Erzählung.
3. Cross-Identity Promotion als Verstärker. Wenn Musik auf andere kulturelle Themen trifft, entsteht Tiefe. Bei Marathonmann war es der Film, bei anderen kann es Mode, Kunst oder Aktivismus sein. Wichtig ist, dass das Thema organisch zur Künstler*innenidentität passt.
4. Relevanz entsteht durch Resonanz. Die besten Kampagnen basieren auf Dialog – mit Medien, Fans und kulturellen Milieus. Wer verstanden wird, wird gehört.
Fazit: Comebacks brauchen Kontext
Ein gelungenes Comeback ist keine Rückkehr in die Vergangenheit, sondern eine Neuverortung in der Gegenwart. Cross-Identity Promotion bietet die Möglichkeit, diese Neuverortung glaubwürdig und nachhaltig zu gestalten.
Das Beispiel Marathonmann zeigt, wie aus einer Krise ein strategischer Neuanfang werden kann – wenn Haltung, Kommunikation und kulturelle Authentizität ineinandergreifen. So wird aus einer Rückkehr nicht nur ein musikalischer Erfolg, sondern ein echtes Wiederankommen im kulturellen Diskurs.


